Shopware 5 vs. Shopware 6: Was sich für Shopbetreiber wirklich ändert
Shopware 6 ist kein Update von Shopware 5, sondern ein neues System auf Symfony-Basis mit eigener Datenstruktur, eigener Administration und eigenem Plugin-Konzept. Die Weiterentwicklung von Shopware 5 wurde Ende Juli 2024 eingestellt. Wer wechselt, migriert Daten, baut Layout und Erweiterungen aber neu auf.
Warum der Vergleich überhaupt nötig ist
Viele Shopbetreiber gehen davon aus, dass Shopware 6 die nächste Version nach 5.7 ist. Technisch stimmt das nicht. Shopware hat 2019 mit Version 6 einen kompletten Neustart gemacht. Der Code ist nicht kompatibel, Templates und Plugins aus Shopware 5 laufen nicht in Shopware 6. Shopware selbst spricht deshalb von einer Migration, nicht von einem Update.
Hinzu kommt der Faktor Zeit: Laut Shopware endete die Weiterentwicklung von Shopware 5 Ende Juli 2024. Seitdem gibt es keine neuen Releases mehr. Sicherheitsprobleme, die Kunden aktiv melden, werden laut Hersteller noch geprüft, aber nicht mehr proaktiv behoben. Wer heute noch Shopware 5 betreibt, trägt dieses Risiko selbst oder sichert es über externe Angebote ab. Welche Version Sie genau einsetzen und wie lange sie gepflegt wurde, zeigt Ihnen mein Shopware-Versions-Check.
Architektur: Symfony, API-first und getrennte Oberflächen
Shopware 5 war ein gewachsenes System mit eigenem Kern, Smarty-Templates im Frontend und ExtJS im Backend. Shopware 6 setzt auf das PHP-Framework Symfony. Das bringt einen standardisierten Aufbau mit, den viele Entwickler außerhalb der Shopware-Welt bereits kennen.
Wichtiger für den Betrieb ist das Prinzip „API-first“: Alle Funktionen von Shopware 6 sind über Schnittstellen erreichbar. Die Administration (das Backend) und die Storefront (der sichtbare Shop) sind eigenständige Anwendungen, die auf diese Schnittstellen zugreifen. Die Storefront nutzt Twig-Templates und Bootstrap, die Administration ist eine Vue.js-Anwendung.
- Admin-API: für Warenwirtschaft, ERP, PIM und andere Systeme, die Daten pflegen.
- Store-API: für eigene Frontends, Apps oder Headless-Ansätze.
In der Praxis heißt das: Anbindungen lassen sich in Shopware 6 sauberer bauen, und die Storefront kann bei Bedarf ganz ersetzt werden. Für einen klassischen Shop ändert sich im Alltag dadurch zunächst wenig, bei Integrationen aber viel.
Administration: Was sich für das Tagesgeschäft ändert
Die Administration von Shopware 6 ist komplett neu gestaltet. Produkte, Kategorien, Bestellungen und Kunden finden Sie an ähnlichen Stellen wie in Shopware 5, die Bedienung ist aber anders. Ein paar Punkte, die ich bei der Einarbeitung häufig erklären muss:
- Varianten werden über Eigenschaften und einen Variantengenerator angelegt, nicht mehr über Konfiguratorgruppen.
- Preise können pro Währung und über Regeln (Rule Builder) gestaffelt werden; feste Preisgruppen wie in Shopware 5 gibt es nicht mehr.
- Rollen und Rechte für Admin-Benutzer lassen sich in Shopware 6 unter „Benutzer & Rechte“ fein vergeben.
- Caches und Indizes werden zentral verwaltet; nach größeren Datenänderungen muss der Index neu aufgebaut werden.
bin/console dal:refresh:index bin/console cache:clear
Einkaufswelten vs. Erlebniswelten
In Shopware 5 wurden Startseite und Landingpages über Einkaufswelten gestaltet, ein Rastersystem mit Elementen wie Banner, Artikel-Slider und HTML-Text. Shopware 6 ersetzt das durch Erlebniswelten (englisch: Shopping Experiences). Sie bestehen aus Sektionen, Blöcken und Elementen und lassen sich nicht nur für die Startseite, sondern auch als Layout für Kategorie- und Produktseiten verwenden.
Das ist flexibler, hat aber eine Konsequenz: Einkaufswelten lassen sich nicht automatisch übernehmen. Die Inhalte (Bilder, Texte) sind vorhanden, das Layout muss in Shopware 6 neu aufgebaut werden. Planen Sie dafür Zeit ein, besonders bei vielen Landingpages.
Plugins: Keine 1:1-Übernahme
Das ist der Punkt, der Migrationsprojekte am stärksten beeinflusst. Shopware-5-Plugins laufen nicht in Shopware 6. Für jedes Plugin gibt es drei Möglichkeiten:
- Die Funktion ist in Shopware 6 bereits im Standard enthalten. Das ist häufiger der Fall, als man denkt.
- Der Hersteller bietet ein Nachfolge-Plugin für Shopware 6 an. Konfiguration und Daten müssen trotzdem neu eingerichtet werden.
- Es gibt keinen Nachfolger. Dann braucht es eine individuelle Entwicklung oder einen anderen Weg.
Ich empfehle, vor jeder Migration eine vollständige Liste der installierten Plugins zu erstellen und jedes einzelne in eine dieser drei Gruppen einzuordnen. Diese Liste bestimmt am Ende Aufwand und Kosten stärker als die reine Datenmenge.
Flow Builder und Rule Builder statt Plugins
Viele kleine Plugins aus Shopware 5 erübrigen sich in Shopware 6 durch zwei Bordmittel:
- Rule Builder: Regeln auf Basis von Warenkorb, Kunde, Kundengruppe, Lieferadresse oder Zeit. Diese Regeln steuern Preise, Versand- und Zahlungsarten, Aktionen und Sichtbarkeiten.
- Flow Builder: Automatisierungen nach Ereignissen, zum Beispiel „Bestellung bezahlt“ → „Status ändern und E-Mail senden“.
Beide sind in der Community Edition in der Basisversion enthalten. Erweiterte Aktionen sind an Pläne gebunden: Webhook-Aktionen im Flow Builder laut Shopware ab Evolve, zeitverzögerte Aktionen ab Beyond.
Sales Channels: Ein System, mehrere Kanäle
Shopware 5 kannte Subshops und Sprachshops. Shopware 6 arbeitet mit Verkaufskanälen (Sales Channels). Jeder Kanal hat eigene Domains, Sprachen, Währungen, Zahlungs- und Versandarten sowie einen eigenen Produktsortiment-Zuschnitt. Ein zweiter Shop für ein anderes Land oder eine B2B-Marke ist damit Konfiguration statt Installation. Auch Marktplatz- oder Vergleichsportal-Anbindungen werden als Verkaufskanal modelliert.
Performance
Shopware 6 bringt einen HTTP-Cache, eine Message Queue für Hintergrundaufgaben und optional Elasticsearch beziehungsweise OpenSearch für Suche und Listings mit. Das skaliert besser als Shopware 5, verlangt aber mehr vom Hosting: PHP-Version, Arbeitsspeicher, Redis, ein laufender Worker für die Queue. Ein günstiges Shared Hosting, das für Shopware 5 gereicht hat, ist für Shopware 6 oft zu knapp. Ob Ihre Umgebung passt, prüfen Sie mit dem Hosting-Check.
Lizenzmodell
Shopware 5 gab es als Community Edition und als kostenpflichtige Professional- und Enterprise-Lizenzen. Shopware 6 ist anders aufgebaut:
| Plan | Kern | Beispiele für Funktionen |
|---|---|---|
| Community Edition | Open Source, keine Lizenzgebühr | Erlebniswelten, Rule Builder, Flow Builder (Basis), Produkt- und Bestellverwaltung |
| Rise | laut Preisseite ab 600 € monatlich zzgl. USt. (Stand 2026) | Herstellersupport, Retourenverwaltung, KI-Funktionen |
| Evolve | laut Preisseite ab 2.400 € monatlich zzgl. USt. (Stand 2026) | B2B-Komponenten, Advanced Search, Webhook-Aktionen im Flow Builder |
| Beyond | auf Anfrage | kundenspezifische Preise, Multi-Inventory, zeitverzögerte Flows |
Die Preise der kostenpflichtigen Pläne richten sich laut Shopware nach dem Bruttowarenumsatz (GMV) und weiteren Faktoren. Für viele kleine und mittlere Shops reicht die Community Edition; zusätzliche Funktionen kommen dann aus dem Store oder aus Eigenentwicklung.
Was Migration konkret bedeutet
Shopware stellt kostenlos den Migration Connector (für Shopware 5) und den Migrationsassistenten (für Shopware 6) bereit. Damit übertragen Sie Stammdaten: Produkte, Kategorien, Kunden, Bestellungen, Medien, Eigenschaften. Nicht übertragen werden Theme, Einkaufswelten, Plugins und deren Daten sowie individuelle Anpassungen. Ein Migrationsprojekt besteht deshalb meist aus diesen Schritten:
- Bestandsaufnahme: Plugins, Theme-Anpassungen, Schnittstellen, SEO-URLs.
- Testmigration der Daten in eine neue Shopware-6-Installation.
- Theme und Erlebniswelten neu aufbauen.
- Plugins ersetzen oder neu entwickeln, Schnittstellen umstellen.
- Weiterleitungen für alte URLs, Tests, erneute Migration kurz vor dem Go-live.
Häufige Fragen
Kann ich Shopware 5 einfach auf Shopware 6 updaten?
Nein. Es gibt keinen Update-Pfad. Daten werden mit dem Migrationsassistenten übertragen, Theme, Erlebniswelten und Plugins müssen in Shopware 6 neu aufgebaut werden.
Laufen meine Shopware-5-Plugins in Shopware 6?
Nein. Prüfen Sie für jedes Plugin, ob die Funktion im Standard enthalten ist, ob der Hersteller einen Nachfolger anbietet oder ob eine Eigenentwicklung nötig ist.
Brauche ich für Shopware 6 eine kostenpflichtige Lizenz?
Nicht zwingend. Die Community Edition ist Open Source und ohne Lizenzgebühr nutzbar. Funktionen wie B2B-Komponenten oder Herstellersupport sind an die Pläne Rise, Evolve und Beyond gebunden.
Wenn Sie wissen möchten, welcher Aufwand für Ihren Shop realistisch ist, hilft der Migrationsrechner für eine erste Einschätzung.