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Shopware 6 · 26.10.2026 · aktualisiert 02.11.2026 · 6 Min. Lesezeit

B2B mit Shopware 6: Kundengruppen, Nettopreise, Staffelpreise und was die B2B-Komponenten bieten

Ahmad JarkasAhmad Jarkas · Shopware-Entwickler, Erlangen

Shopware 6 deckt viele B2B-Anforderungen schon in der Community Edition ab: Kundengruppen mit Nettopreisen, Staffelpreise, Zahlungsarten je Kundengruppe und eine Registrierung mit Freigabe. Angebotsverwaltung, Mitarbeiterkonten, Budgets und Schnellbestellung kommen mit den B2B-Komponenten ab dem Evolve-Plan. Die Frage ist nicht „Lizenz ja oder nein“, sondern welche Prozesse Ihre Kunden wirklich brauchen.

Was B2B im Shop anders macht

Geschäftskunden kaufen anders als Endkunden. Sie bestellen wiederkehrend, in größeren Mengen, zu verhandelten Konditionen und oft auf Rechnung. Häufig bestellt nicht der Inhaber, sondern ein Mitarbeiter mit begrenztem Budget. Und sie wollen Nettopreise sehen, weil sie mit Nettopreisen rechnen. Ein B2B-Shop muss diese Abläufe abbilden, ohne den Kunden zu Anrufen oder E-Mails zu zwingen.

Shopware 6 adressiert das auf zwei Ebenen: mit Bordmitteln, die in jeder Installation vorhanden sind, und mit den B2B-Komponenten als Teil der kostenpflichtigen Pläne. Ich gehe beide Ebenen durch.

Bordmittel: Was Shopware 6 von Haus aus kann

Kundengruppen und Nettopreisanzeige

Kundengruppen sind das Fundament. Jede Kundengruppe legt fest, ob Preise brutto oder netto angezeigt werden. Eine Gruppe „Händler“ mit Nettoanzeige und eine Gruppe „Endkunden“ mit Bruttoanzeige lassen sich im selben Verkaufskanal betreiben. Die Umsatzsteuer wird im Checkout trotzdem korrekt ausgewiesen.

Registrierung mit Freigabe

Für eine Kundengruppe können Sie ein eigenes Registrierungsformular aktivieren. Die Option „Nur Firmen können sich registrieren“ blendet Felder für Firma, Abteilung und Umsatzsteuer-ID ein. Shopware erzeugt eine eigene URL für diese Registrierung, die Sie zum Beispiel als „Händler werden“ verlinken. Neue Anfragen erscheinen in der Kundenübersicht und werden von Ihnen angenommen oder abgelehnt; der Kunde erhält eine E-Mail. Bis dahin bleibt er in der Standardgruppe und sieht keine Händlerpreise.

Staffelpreise und kundengruppenspezifische Preise

Preise in Shopware 6 arbeiten mit dem Rule Builder. Unter „Erweiterte Preise“ eines Produkts legen Sie Preise an, die an eine Regel gebunden sind, zum Beispiel „Kundengruppe ist Händler“. Innerhalb dieser Regel definieren Sie Mengenstaffeln: ab 1 Stück, ab 10, ab 50. Damit sind Staffelpreise je Kundengruppe ohne Zusatzlizenz möglich.

Preise für einzelne Kunden gehen über denselben Mechanismus, indem die Regel auf eine Kundennummer oder ein Kundentag abzielt. Das funktioniert bei wenigen Sonderkunden. Bei hunderten Kunden mit individuellen Konditionen wird es unübersichtlich, und die Pflege gehört dann eher ins ERP oder in die kostenpflichtige Funktion „kundenspezifische Preise“ (dazu unten).

Zahlungs- und Versandarten je Kundengruppe

Jede Zahlungsart und jede Versandart hat eine Verfügbarkeitsregel. „Kauf auf Rechnung nur für Kundengruppe Händler“ ist damit eine Regel im Rule Builder, keine Programmierung. Dasselbe gilt für Mindestbestellwerte, Frachtfrei-Grenzen und Versandarten wie Spedition.

Weitere nützliche Bordmittel

  • Verkaufskanäle: ein eigener B2B-Kanal mit eigener Domain, eigenem Sortiment und eigener Navigation, wenn Sie B2B und B2C trennen möchten.
  • Flow Builder: Automatisierungen wie „Registrierung in Händlergruppe → E-Mail an Vertrieb“.
  • Kundentags und Zusatzfelder, um Kunden zu segmentieren und in Regeln zu verwenden.

B2B-Komponenten: Was mit Shopware Commercial dazukommt

Die B2B-Komponenten sind laut Shopware-Dokumentation ab dem Evolve-Plan verfügbar. Sie sind modular aufgebaut; die Module hängen teils voneinander ab und sind in unterschiedlichen Versionen hinzugekommen:

ModulFunktionVerfügbar
AngebotsverwaltungKunde fordert aus dem Warenkorb ein Angebot an, Sie passen Preise an und senden es zurückEvolve
MitarbeiterverwaltungMehrere Benutzer pro Firmenkonto mit Rollen und Rechtenab 6.5.6, Evolve
BestellfreigabenBestellungen über definierten Bedingungen gehen an einen Vorgesetztenab 6.5.8, Evolve
OrganisationseinheitenStandorte oder Abteilungen mit eigenen Adressen, Zahlungs- und VersandartenEvolve
Erweiterte ProduktkatalogeSichtbarkeit von Kategorien je Organisationseinheit einschränkenEvolve
BudgetsAusgabenlimits je Organisationseinheit und Zeitraum, danach Freigabe nötigab 6.7.4, Evolve
SchnellbestellungProdukte per Artikelnummer oder CSV-Upload in den Warenkorbab 6.5.4, Evolve
EinkaufslistenGespeicherte Bestelllisten für Wiederholungskäufeab 6.6.3
Individuelle PreiseVerhandelte Rabatte je Organisationseinheit oder Kundentagab 6.7.8
Sales AgentVertriebsmitarbeiter bestellen im Namen von Kunden über eine separate InstallationEvolve

Ein Hinweis zur Einordnung: Die frühere „B2B Suite“ wird durch die B2B-Komponenten abgelöst. Für neue Installationen sind laut Drittquellen nur noch die Komponenten verfügbar, und die Suite soll mit Shopware 6.8 nicht mehr unterstützt werden Bestehenden Suite-Kunden bietet Shopware die Migration auf die Komponenten an.. Wer heute noch die B2B Suite einsetzt, sollte den Wechsel einplanen.

Wann der Standard reicht

Aus meiner Erfahrung reicht die Community Edition mit Bordmitteln, wenn die meisten dieser Punkte zutreffen:

  • Jeder Geschäftskunde bestellt über ein einzelnes Konto. Es gibt keine Mitarbeiter mit eigenen Logins.
  • Konditionen lassen sich über wenige Kundengruppen und Staffeln abbilden, nicht über hunderte Einzelverträge.
  • Angebote werden außerhalb des Shops erstellt, etwa im ERP.
  • Budgets und Freigaben spielen beim Kunden keine Rolle.
  • Kunden bestellen über das normale Listing; ein CSV-Upload ist nicht gefragt.

Viele Hersteller- und Händlershops im Mittelstand fallen in diese Gruppe. Was fehlt, lässt sich oft über Store-Plugins oder eine kleine Eigenentwicklung ergänzen, zum Beispiel ein Feld für die Bestellnummer des Kunden im Checkout.

Wann eine Lizenz nötig wird

Der Evolve-Plan wird sinnvoll, sobald Ihre Kunden selbst Organisationen sind: mehrere Besteller pro Firma, Freigabeprozesse, Budgets, Standorte mit eigenen Lieferadressen. Diese Abläufe nachzubauen kostet mehr Entwicklung, als die Lizenz über die Laufzeit kostet, und Sie bleiben updatefähig. Auch die Angebotsverwaltung im Shop ist ein starkes Argument, wenn Ihr Vertrieb heute Angebote per E-Mail hin- und herschickt.

Die Preise für Evolve richten sich laut Shopware nach dem Bruttowarenumsatz und weiteren Faktoren und werden im Gespräch mit dem Vertrieb festgelegt. Rechnen Sie die Lizenzkosten gegen den Entwicklungsaufwand und gegen die Zeit, die Ihr Innendienst heute mit manuellen Bestellungen verbringt.

Wann lieber Finger weg: Kaufen Sie keine B2B-Lizenz, um ein Problem zu lösen, das eigentlich im ERP liegt. Wenn Konditionen, Kundennummern und Bestände dort nicht sauber gepflegt sind, verschiebt der Shop das Chaos nur in die Storefront. Erst die Daten ordnen, dann die Funktionen einschalten.

Häufige Fragen

Kann ich B2B und B2C im selben Shopware-6-Shop betreiben?

Ja. Entweder über Kundengruppen im selben Verkaufskanal (Brutto- und Nettoanzeige nebeneinander) oder über einen separaten Verkaufskanal mit eigener Domain und eigenem Sortiment.

Brauche ich für Staffelpreise eine kostenpflichtige Lizenz?

Nein. Staffelpreise je Kundengruppe sind über erweiterte Preise mit Regeln in der Community Edition möglich. Die B2B-Komponenten ergänzen verhandelte Rabatte je Organisationseinheit.

Gibt es Mitarbeiterkonten ohne B2B-Komponenten?

Nicht im Standard. Mehrere Logins pro Firmenkonto mit Rollen sind Teil der Mitarbeiterverwaltung in den B2B-Komponenten. Alternativ gibt es Plugins im Shopware Store, deren Funktionsumfang Sie im Einzelfall prüfen sollten.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Anforderungen mit Bordmitteln abgedeckt sind, schauen wir uns das gemeinsam an. Einen Überblick über meine Leistungen rund um Shopware 6 finden Sie hier.

Betrifft das Ihren Shop?

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