Rule Builder in Shopware 6: Versandkosten, Rabatte und Sichtbarkeit sauber steuern
Der Rule Builder ist das zentrale Regelwerk in Shopware 6. Eine Regel ist eine Sammlung von Bedingungen, die im Checkout gegen den aktuellen Warenkorb und Kunden geprüft wird. Versandarten, Zahlungsarten, Aktionen, erweiterte Preise und der Flow Builder greifen auf dieselben Regeln zu. Wer Regeln sauber benennt und dokumentiert, spart sich später viel Fehlersuche.
Was der Rule Builder ist
Sie finden ihn im Admin unter Einstellungen > Shop > Rule Builder. Eine Regel besteht aus Bedingungen, die mit „Und“ oder „Oder“ verknüpft werden. Jede Bedingung vergleicht einen Wert aus dem aktuellen Kontext mit einem Zielwert: der Warenkorbwert, das Land der Lieferadresse, die Kundengruppe, das Gesamtgewicht.
Die Regel selbst tut nichts. Sie wird erst wirksam, wenn Sie sie an einer Stelle hinterlegen, etwa als Verfügbarkeitsregel einer Versandart. Shopware wertet Regeln laufend aus, sobald sich der Warenkorb oder der Kunde ändert. Genau deshalb ist die Dokumentation eine Pflicht und nicht nur eine Höflichkeit: Dieselbe Regel kann an fünf Stellen hängen, und wer sie ändert, ändert alle fünf.
Die Bedingungen sind in Kategorien sortiert. Die wichtigsten:
- Allgemein: Verkaufskanal, Währung, Sprache, Zeitraum, Datumsbereich.
- Kunden: Kundengruppe, Anzahl Bestellungen, Gesamtwert abgeschlossener Bestellungen, Gewerblicher Kunde, Gastkonto, Tag, Land, Postleitzahl, Zeit seit letzter Bestellung, Newsletter-Empfänger.
- Warenkorb: Warenkorbwert mit oder ohne Versand, Gesamtgewicht, Gesamtvolumen, Anzahl Positionen, gewählte Versandart, gewählte Zahlungsart.
- Positionen im Warenkorb: Artikel in Kategorie, mit Tag, mit Hersteller, mit Eigenschaft, mit Breite, Höhe, Länge, Gewicht, versandkostenfrei, in dynamischer Produktgruppe, Lagerbestand.
- Marketing & Aktionen: Aktionscode, Anzahl und Summe der Rabatte.
- Bestellungen: Bestellstatus, Zahlungsstatus, Lieferstatus, Bestellung mit Tag. Diese Kategorie ist für den Flow Builder gedacht.
Typische Regeln aus der Praxis
| Ziel | Bedingung(en) | Eingesetzt bei |
|---|---|---|
| Versandkostenfrei ab 50 Euro | Warenkorb: Summe der Positionen ohne Versand ≥ 50; Lieferadresse: Land = Deutschland | Preismatrix der Versandart (Preis 0) oder eigene Versandart |
| Nur B2B sieht Nettopreise und Rechnungskauf | Kundengruppe = Händler | Verfügbarkeitsregel der Zahlungsart, erweiterte Preise |
| Express nur im Inland | Lieferadresse: Land = Deutschland; Gesamtgewicht ≤ 31,5 kg | Verfügbarkeitsregel der Versandart |
| Sperrgut-Versandart | Position mit Länge > 120 cm ODER Position mit Tag „Sperrgut“ | Verfügbarkeitsregel; die Standardversandart bekommt die Umkehrung |
| Kauf auf Rechnung nur für Stammkunden | Anzahl Bestellungen ≥ 2; Gastkonto = nein | Verfügbarkeitsregel der Zahlungsart |
| Rabatt nur auf eine Kategorie | Position in Kategorie = Sale | Aktion, Reiter Bedingungen oder Rabattbereich |
| Erstbestellung erkennen | Anzahl Bestellungen = 1 (zum Zeitpunkt der Bestellung) | Flow Builder |
Bei der Versandkostenfreiheit entscheide ich je nach Shop zwischen zwei Varianten. Variante eins: eine Versandart mit zwei Preismatrizen, eine mit Einschränkung „unter 50 Euro“ und Preis 4,90, eine mit „ab 50 Euro“ und Preis 0. Variante zwei: zwei Versandarten mit gegensätzlichen Verfügbarkeitsregeln. Variante eins ist übersichtlicher, Variante zwei erlaubt unterschiedliche Namen und Lieferzeiten im Checkout.
Wo Regeln überall wirken
Der Reiter „Zuweisungen“ in jeder Regel zeigt, wo sie verwendet wird. Das sind die Bereiche:
- Versandarten: Verfügbarkeit und, innerhalb der Preismatrix, einzelne Preisregeln.
- Zahlungsarten: Verfügbarkeit im Checkout.
- Aktionen: Wann eine Aktion gilt, für welche Kunden, auf welche Positionen sich der Rabatt bezieht.
- Erweiterte Preise: Am Produkt können Sie Preisstaffeln je Regel hinterlegen, etwa Händlerpreise.
- Flow Builder: Regeln sind dort die Bedingungen zwischen Trigger und Aktion.
- Sichtbarkeit von Produkten, Kategorien und Erlebniswelt-Blöcken: Nur mit „Dynamic Access“, einer Funktion aus Shopware Commercial, also in den kostenpflichtigen Plänen.
Ein häufiges Missverständnis betrifft dynamische Produktgruppen. Sie werden nicht über den Rule Builder gesteuert, sondern über eigene Produktfilter (Hersteller, Preis, Eigenschaft, Lagerbestand). Umgekehrt gibt es im Rule Builder die Bedingung „Position in dynamischer Produktgruppe“, mit der sich eine Produktgruppe als Grundlage für Versand- oder Aktionsregeln nutzen lässt. Das ist praktisch, wenn Sie „alle Produkte des Herstellers X mit Preis über 100 Euro“ einmal definieren und mehrfach verwenden wollen.
Kombination mit Aktionen
Aktionen in Shopware 6 haben drei Stellen für Regeln: Bedingungen für den Kunden (wer darf die Aktion nutzen), Bedingungen für den Warenkorb (ab wann gilt sie) und je Rabatt eine Regel, auf welche Positionen er wirkt. Alle drei greifen auf den Rule Builder zu. Mein Rat: Legen Sie für Aktionen eigene Regeln mit dem Präfix „Aktion:“ an, statt bestehende Versandregeln wiederzuverwenden. Sonst ändert jemand die Versandregel und die Aktion gilt plötzlich für andere Kunden.
Best Practices
- Benennung: Namen nach Schema „Bereich: Inhalt“, zum Beispiel „Versand: DE, bis 31,5 kg“ oder „Zahlung: Rechnung nur Händler“. Das Beschreibungsfeld der Regel nutzen, um den Zweck und das Datum der letzten Änderung festzuhalten.
- Eine Regel, ein Zweck: Lieber mehrere kleine Regeln als eine große mit vielen Oder-Zweigen. Kleine Regeln lassen sich testen und wiederverwenden.
- Gegenregeln bewusst bauen: Wenn Versandart A „bis 30 kg“ hat, braucht Versandart B „über 30 kg“, nicht „ab 30 kg“. Sonst erscheinen bei genau 30 kg beide oder keine.
- Vorschau nutzen: Der Vorschaumodus prüft Bedingungen in Echtzeit gegen einen Testkunden. Er steht laut Dokumentation ab dem Plan Shopware Rise zur Verfügung. In der Community Edition bleibt nur der Test im Storefront mit einem Testkonto je Kundengruppe.
- Regeln nicht löschen, solange sie zugewiesen sind: Shopware blockiert das ohnehin. Gelöschte Regeln lassen sich nicht wiederherstellen; deaktivieren Sie stattdessen die Zuweisung.
- Nach Updates prüfen: Einzelne Bedingungen ändern ihr Verhalten zwischen Versionen. Die Bedingung „Artikel verfügbar“ zum Beispiel rechnete bis 6.5 verkaufte, aber nicht versendete Artikel heraus und spiegelt seit 6.6 nur den Lagerbestand; Shopware empfiehlt dort „Artikel auf Lager“. Die Bedingung „Neukunde“ ist als veraltet markiert, Ersatz ist „Zeit seit erstem Login“.
Fallstricke
Regelprüfung im Checkout: Regeln werden bei jeder Warenkorbänderung neu bewertet. Wenn eine Verfügbarkeitsregel die gewählte Zahlungsart im letzten Schritt unzulässig macht, etwa weil ein Rabattcode den Warenkorbwert unter die Schwelle drückt, wechselt Shopware die Zahlungsart oder zeigt einen Hinweis. Kunden erleben das als Fehler. Testen Sie Regeln deshalb immer mit dem kompletten Checkout, nicht nur mit dem Warenkorb.
Performance: Jede Bedingung kostet Rechenzeit bei jeder Warenkorbberechnung. Dutzende Regeln mit verschachtelten Oder-Blöcken und Bedingungen auf Positionsebene machen den Checkout messbar langsamer, besonders bei großen Warenkörben. Die Shopware-Dokumentation gibt keine harte Grenze an; mein Erfahrungswert ist, dass Shops mit deutlich über 50 aktiven Regeln aufräumen sollten.
Stale Regeln: Ehemalige Agenturen hinterlassen gern Regeln wie „Test Max“ oder „Aktion Weihnachten 2023“. Der Reiter „Zuweisungen“ zeigt, ob eine Regel noch irgendwo hängt. Ist er leer, kann sie weg.
Häufige Fragen
Warum erscheint meine Versandart im Checkout nicht?
Meistens eine von drei Ursachen: Die Versandart ist dem Verkaufskanal nicht zugewiesen, die Verfügbarkeitsregel trifft nicht zu (häufig wegen fehlender Lieferadresse vor dem Login) oder keine Preismatrix passt zum Warenkorb. Prüfen Sie die drei Punkte in dieser Reihenfolge.
Kann ich mit dem Rule Builder Produkte ausblenden?
Nur mit Dynamic Access aus Shopware Commercial. In der Community Edition steuern Sie Sichtbarkeit über Verkaufskanäle, Kategorien und Kundengruppen-Login, nicht über Regeln.
Wie teste ich eine Regel, ohne Kunden zu stören?
Mit einem Testkunden je Kundengruppe und einem Staging-System. Ab Shopware Rise hilft zusätzlich der Vorschaumodus im Rule Builder, der die Bedingungen live gegen einen gewählten Kunden prüft.
Wenn Ihr Regelwerk über die Jahre gewachsen ist und niemand mehr weiß, welche Regel wofür da ist, gehört ein Regel-Audit in die laufende Shopware-Wartung.